Das Aachener festival im Jahr 2007
Das vollständige Programm des festivals in Aachen findet Ihr auf der Internetpräsenz des AStA der RWTH Aachen.
Das vollständige Programm des festivals in Aachen findet Ihr auf der Internetpräsenz des AStA der RWTH Aachen.
Die Veranstaltungen des AStA Uni Dortmund findet Ihr auf den Internetseiten des AStA der Uni Dortmund.
Auch in diesem Jahr bezteiligt sich der AStA der Johannes Gutenberg-Universität Mainz am festival contre le racisme. Zur eigenen AStA-Seite für das festival geht es hier.
Montag, 11.06.2007
Seit Anfang der 90er Jahre erlebt die politisch radikale Rechte in Deutschland einen anhaltenden Schub in ihrer Entwicklung. Zahlreiche rechtsradikale Organisationen, mehr als 100 Tote und Tausende von Verletzten durch rechte Gewalt in den letzten Jahren sind das Ergebnis dieser sich nunmehr rasant ausweitenden Entwicklung.
Mit dem Einzug in Landes- und Kommunalparlamente sowie dem Zusammenschluss von NPD und DVU zu einer „Volksfront von Rechts“ für die Bundestagswahl 2006, hat das Streben der radikalen Rechten nach gesellschaftlicher und politischer Einflussnahme eine neue Qualität erreicht. Gerade vor dem Hintergrund abnehmender demokratischer und zivilgesellschaftlicher Kräfte entsteht eine politisch hochbrisante Situation. Die Ausstellung wirft einen Blick hinter die Fassade der NPD und der ihr nahestehenden „Kameradschaften“. Aktuelle politische Strategien der militanten Rechten in Deutschland sowie der Netzwerk-Charakter der unterschiedlichen Organisationen werden dargestellt. Beleuchtet werden die Zusammenarbeit der NPD mit dem militanten bis terroristisch agierenden Nazispektrum und die Bestrebungen der europäischen Rechten, sich grenzüberschreitend zu vernetzen. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind die Nazistrukturen im Saarland und in Rheinland-Pfalz.
Veranstaltet von AStA Uni Mainz, Antifaschismus-AG an der Uni Mainz und der Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Philosophicum | Vorraum P1
ab 12.00 Uhr bis zum 16. Juni | Eintritt frei
Veranstaltet vom AStA Uni Mainz und dem Autonomen AusländerInnenreferat.
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
konkreter Raum steht noch nicht fest
14.00 Uhr | Eintritt frei
Veranstaltet vom AStA Uni Mainz.
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Philosophicum | Raum P10
19.00 Uhr | Eintritt frei
Dienstag, 12.06.2007
Was erlebt einE Studierende aus einem Nicht-EU-Land, wenn er oder sie in Mainz studieren will? Das Planspiel soll zeigen, welche behördlichen und sonstigen Gängelungen ausländische Studis ertragen müssen, um das tun zu können, was denjenigen mit deutschem Pass ganz selbstverständlich ist: Studieren. JedeR kann mitmachen!
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Forum
11.00 Uhr | Eintritt frei
Levent Tekin muß einen Einbürgerungstest bestehen, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Am Prüfungstag begegnet er im Warteraum einem Bekannten, Mustafa, der auch wegen des Testes da ist. Nach einer kurzen gemeinsamen Übungsphase, müssen sie aber einzeln zum Test gehen.
Eine filmische Satire auf die bundesdeutschen Einbürgerungstests. Der Regisseur steht im Anschluss für Fragen zur Verfügung.
Veranstaltet vom AStA Uni Mainz.
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Ohilosophicum | Raum P2
18.30 Uhr | Eintritt frei
Jüdische Kultur ist schon aufgrund ihrer unterschiedlichen geographischen und historischen Bezüge eine sehr vielfältige Kultur. Dies gilt auch für die Musik. Mit der Katastrophe des Nationalsozialismus kam die Entwicklung jüdischer Lieder in Europa weitgehend zum erliegen. Heute denken viele in diesem Zusammenhang sofort an Klezmer-Musik.Dass jüdische Musik sehr viel mehr beinhaltet zeigt eindrucksvoll Dany Bober.
Veranstaltet vom Antirassistischen Arbeitskreis Mainz.
Alte Patrone (Am Judensand)
19.30 Uhr | Eintritt 8,- Euro, ermäßigt 5,- Euro
Dieses Mal werden die Künstler das Thema „Rassismus“ satirisch auseinander nehmen!
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Kulturcafé
21.00 Uhr
Mittwoch, 13.06.2007
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
vor dem Kulturcafé
11.00 bis 16.00 Uhr
Vortrag und Diskussion mit einem Vertreter des apabiz – antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum, Berlin
In Hessen und Rheinland-Pfalz ist es lange gelungen, die Dimension des Neonazismus aus dem öffentlichen Bewusstsein zu drängen: Polizeiberichte verschweigen neonazistische Konzerte und Übergriffe, organisierte neonazistische Gruppen werden als rechtsorientierte Jugendliche deklariertund die Politik verweist stattdessen selbstgefällig auf ihr „harte Linie“ gegen Neonazismus. Tatsächlich aber ist es im Großraum Rhein-Main, in Mainz und in Rheinhessen nicht grundsätzlich anders oderbesser als in anderen Regionen: Sogenannte freie Kameradschaften, die gleichzeitig als NPD-Kreisverbände agieren, eine stattliche Anzahl von Freiräumen für den neonazistischen Strukturaufbau, neonazistische Exponenten, die selbst an Hochschulen ihren Platz einfordern können und schließlich sogar neonazistische Störversuche gegen kritische Veranstaltungen und körperliche Übergriffe durch Neonazis.
Veranstaltet von Mayence Antifascist Youth, AK Antifa Mainz und der Antifaschismus-AG an der Uni Mainz.
Haus der Jugend (Mitternachtsgasse)
19.00 Uhr | Eintritt frei
‚Kick la Luna‘ bass player Uli Pfeifer joins Jan Allain in a storming set of original songs by both songwriters. This top ‚funky-folky‘ duo are joined by Jörg Parotat on electric and acoustic guitars and vocals.
Veranstaltet vom Autonomen Frauenreferat im AStA Uni Mainz.
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Kulturcafé
21.00 Uhr
Donnerstag, 14.06.2007
Vortrag und Diskussion mit einem Vertreter des apabiz (angefragt)
Neonazis sind „Globalisierungsgegner“ und „Antikapitalisten“, sie sorgen sich um Arbeitsplätze, um die Sicherheit der Bürger, um eine intakte Umwelt und um die „Vielfalt der Kulturen“ – dies möchte mensch fast meinen, wenn man sich die neonazistische Propaganda von heute ansieht. Plumpe „Ausländer raus“-Demagogie und Hakenkreuzfetischismus sind populistischen politischen Forderungen gewichen, Positionen der gesellschaftlichen Mitte werden aufgegriffen und mit radikalen Lösungsvorschlä- gen angereichert. Parallel dazu mischen sich nationalistische Großmachtsphantasien mit pseudo-antiimperialistischer Rhetorik. Linke Symbolik erfährt eine Übernahme von rechts und die Aufmärsche bieten zuweilen ein buntes Miteinander von schwarzen, schwarz-weiß-roten, Reichskriegs- und Palästinafahnen. Vieles ist nicht (mehr) auf den ersten Blick als rechtsextrem zu erkennen. Die ReferentInnen – MitarbeiterInnen des Antifaschistischen Info-Blattes oder des Antifaschistischen Pressearchivs Berlin – werfen einen Blick auf die „neuen“ Parolen und Erscheinungsformen der extrem rechten Szene und enttarnen den dahinterstehenden alten braunen Mief von Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus. Denn nur mit dem Wissen um die Codes, Argumentationsstränge und strategischen Optionen der extremen Rechten lassen sich Bürgerbewegungen, gewerkschaftliche Arbeit oder der Widerstand gegen neoliberale Wirtschaftspolitik gegen deren Einflussnahmen wirksam schützen.
Veranstaltet vom Verein für ein unabhängiges Kommunikationszentrum an der Uni Mainz
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Haus Mainusch (Staudingerweg 23)
19.00 Uhr
Regie: Mark Saunders, S. Cleary
August 1992, Rostock – Lichtenhagen. Die Polizei schaut zu, als Faschisten die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) und ein Wohnheim von vietnamesischen Vertragsarbeitern mit Molotowcocktails bombardieren. Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit Anti-FaschistInnen, den vietnamesischen VertragsarbeiterInnen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und Anwohnern. Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der Politik und über die verbreitete Angst.
Veranstaltet vom AStA Uni Mainz und dem Verein für ein unabhängiges Kommunikationszentrum an der Uni Mainz.
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Haus Mainusch (Staudingerweg 23)
19.00 Uhr
Freitag, 16.06.2007
Bei den Erklärungsversuchen des Antisemitismus fällt auf, dass das, was im Antisemitismus artikuliert wird, nicht thematisiert wird. Dabei bedarf es gerade der genauen Untersuchung des Inhalts – und nicht nur seiner ‚Funktion’ –, um ihn überhaupt verstehen und damit erklären zu können. Antisemitismus ist ein Phantasma. – Aber damit nicht einfach nur ein Wahngebilde, sondern eines, welches negative Erfahrungen der Menschen in der – vergangenen wie gegenwärtigen – Durchsetzung des Kapitalverhältnisses verarbeitet. Aber eben nicht einfach nur irgendwie verarbeitet, sondern auf eine bestimmte Art und Weise und mit einer bestimmten Richtung: von dem ablenkend, und das verschleiernd, was die Individuen belastet – und eben auch: die Individuen weiter in das verstrickend, was sie unterdrückt. Der Antisemitismus ist so eine dramatische Inszenierung von Aufbegehren, in dem aggressiv vorgegeben wird, wie man fürderhin beherrscht werden möchte. Im Opfer, dem Juden, fällt all dies zusammen: Selbstermächtigung, Liquidierung des Verhassten, Herrschaft über andere und sich selbst.
Das Seminar ist auf fünfzehn TeilnehmerInnen beschränkt, daher bitte anmelden. Der Ort wird noch bekanntgegeben. Anmeldungen bitte über die Website des AStA Uni Mainz.
Veranstaltet vom AStA Uni Mainz und der Antifaschismus-AG an der Uni Mainz (Antifaschistische Woche Mainz).
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
11.00 bis 16.00 Uhr
Veranstaltet vom AStA Uni Mainz.
Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Kulturcafé
20.00 Uhr
Hinweis: Die Veranstaltenden behalten sich bei sämtlichen hier beworbenen Veranstaltungen vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von der Veranstaltung auszuschließen.
Der AStA der Uni Siegen beteiligt sich auch in diesem Jahr am festival contre le racisme.
Nähere Informationen waren damals unter asta.uni-siegen.de/festival-contre-le-racisme zu finden.
In Potsdam wird es auch in diesem Jahr ein festival contre le racismegeben. Neben dem AStA der Universität Potsdam beteiligt sich auch der Nil e.V. StudentInnenkeller am festival contre le racisme:
Montag, 11.06.2007
Nil kult[ur].film.keller
Der 18-jährige Franzose Pat und der gleichaltrige Algerier Madjid leben in einer trostlosen Pariser Vorstadtsiedlung. Ihr Alltag ist geprägt von Drogenhandel, Gewalt und Arbeitslosigkeit. Während Pat jegliche Illusion an eine bessere Zukunft verloren hat, träumt Madjid noch von ihr, doch wegen seines fremdländischen Aussehens findet er keine Anstellung. Und so geraten beide auf die schiefe Bahn.
Der 1985 entstandene Film gilt als einer der Gründungsfilme des französischen Migrationskinos. Bei allem Realismus inszeniert Regisseur Mehdi Charef sehr unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern die kleinen Alltagsfluchten der beiden Protagonisten.
Nil StudentInnenkeller
Campus Neues Palais | Haus 11
21.30 Uhr | Eintritt frei
Donnerstag, 14.06.2007
Im Rahmen der schon traditionsreichen Länderabende gibt es bei Tanz und Musik reichlich Gelegenheiten zum interkulturellen Dialog. Auch an diesem Donnerstag gibt es neben dem übichen Partyspaß landestypische Musik und Speisen
Nil StudentInnenkeller
Campus Neues Palais | Haus 11
21.30 Uhr | Eintritt frei
Abweichend vom Rahmentermin finden die Veranstaltungen des AStA der Universität Potsdam vom 25. bis 29. Juni statt:
Montag, 25.06.2007
Ein Vater, der als maßgeblicher Organisator des Holocausts gilt. Eine Mutter, die sich selbst zur „Königin von Polen“ ernannte. Ein Vater, der nach Kriegsbeginn 1939 zum „Generalgouverneur“ von Polen aufstieg. Eine Mutter, die mit Pelzen und gestohlenem Schmuck handelte und sich schamlos in Gettos bereicherte. Ein Vater, unter dem es zu Massendeportationen und -erschießungen kam. Eine Mutter, die denjenigen, der ihr in die Quere kam, bei SS-Chef Himmler als Jude anschwärzte.
Der Autor Niklas Frank, der mehr als 20 Jahre als „Stern“-Reporter arbeitete, beschreibt zwei gnadenlose Porträts seiner Eltern in „Der Vater“ und „Meine deutsche Mutter“. Heute Abend wird er aus diesen beiden Werken lesen, um anschließend den Besuchern für Fragen und Diskussionen zur Verfügung zu stehen.
Universität Potsdam
Campus Neues Palais | Haus 9 | Raum 2.05
18.00 Uhr | Eintritt frei
Dienstag, 26.06.2007
Das vielerorts bekannte Spiel „Völkerball“ soll seinem Namen alle Ehre machen und ausländische sowie deutsche Studierende gemeinsam dazu bringen, einen spaßigen und sportlichen Nachmittag zu verleben. Zwei multikulturelle Teams werden dabei gegeneinander antreten und versuchen, das jeweils andere Team zu besiegen. Dabei soll es nicht vorrangig um das Gewinnen, sondern um die gemeinsam erlebte Zeit gehen.
Mannschaftssport leistet in unserer Gesellschaft einen wesentlichen Beitrag zur Antidiskriminierung und Konfliktlösung. Zusammen reden und spielen, fördert die Integration und die Freundschaften – und genau das soll an diesem Nachmittag gezeigt werden.
Ort noch nicht bekannt
14.00 bis 16.00 Uhr | Eintritt frei
Von 17 bis 20 Uhr führt die LAG Brandenburg ein Planspiel zum Interkulturellen Training durch. Darin wird methodisch erforscht, welche Erfahrungen es zu eigenen Reaktionsmustern gibt angesichts fremder gesellschaftlicher „Spielregeln“. Abschließend wird sich ausgetauscht, um die eigenen Handlungsoptionen zu erweitern.
Die Landesarbeitsgemeinschaft für politisch-kulturelle Bildung in Brandenburg e.V. (LAG) ist der Dachverband von derzeit 27 freien Trägern der politischen und kulturellen Bildung im Land Brandenburg. Sie wurde 1994 gegründet. Ihre Mitglieder sind unter anderem Träger mit speziellen Angeboten. Seit 1999 bieten die LAG Fortbildungen für Toleranz und Verständigung mit Menschen aus anderen Kulturen sowie zum Umgang mit Fremdenangst und ethnischer Diskriminierung an.
Universität Potsdam
Campus Neues Palais | Haus 8 | Raum 0.58
17.00 bis 20.00 Uhr | Eintritt frei
Mittwoch, 27.06.2007
In der Vorlesung wird die Referentin Gesa Köbberling über das individuelle Erleben von Opfern nach Überfällen berichten. Dies wird mithilfe von Radiobeiträgen geschehen. Desweiteren wird über den sozialpädagogischen Handlungsansatz des Vereins informiert.
Die Opferperspektive ist ein Verein der sich um Opfer rechter Gewalttaten kümmert, d.h. ihnen Beistand in psychologischer und rechtlicher Hinsicht leistet. „…damit jeder Mensch, gleich welchen nationalen, ethnischen, religiösen, sexuell-orientierten oder weltanschaulichen Hintergrunds, frei und ohne Angst sich bewegen und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann.“
Die Veranstaltung wurde vom Projekt „Engagierte FHP“ organisiert.
Fachhochschule Potsdam
Campus Alter Markt | Großer Hörsaal
12.00 Uhr | Eintritt frei
Der Fachschaftsrat Politik und Verwaltung veranstaltet die Vorführung der Dokumentation „No Exit“, die eine gute und seltene Inneneinsicht in rechtsextreme Strukturen ermöglicht. Im Anschluss daran erfolgt eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Braune Graswurzelrevolution? Rechtsextreme an der Basis der Gesellschaft“.
Die Auseinandersetzung und die offene Diskussion zum Thema Rechtsextremismus ist sinnvoll und nötig, um zu sensibilisieren und „Augen zu öffnen“. Bei dieser fach- und uni-übergreifenden Veranstaltung wird für Verpflegung vor Ort gesorgt sein. Der FSR verspricht einen interessanten und kontroversen Abend.
Universität Potsdam
Campus Griebnitzsee | Haus 1 | Raum 2.31
18.00 Uhr | Eintritt frei
Donnerstag, 28.06.2007
Ausländische Studierende und auch inländische sind aufgerufen, sich an der Befreiungsaktion zu beteiligen. Wir rufen die INTERNATIONAL BEFREITE ZONE aus, indem wir beliebige geografische und soziale Orte in Potsdam national demarkieren. Am Ende ist die Nation an diesen Orten gar nicht mehr vorhanden, sie sind absolut frei. Die Methode unseres Vorgehens ist einfach: Studierende der Universität Potsdam aus möglichst vielen verschiedenen Ländern lesen Texte und Lieder (vorzugsweise Freiheitstexte und -lieder) ihrer Heimaten an den Orten, die dadurch BEFREIT werden. Als sichtbares Zeichen werden Ständer hinterlassen, die den Ort als Vorposten der INTERNATIONAL BEFREITEN ZONE deklarieren und über dieses Projekt aufklären. All dies Geschehen wird videografisch und fotografisch dokumentiert. Die Deklamationen werden abends im Kulturzentrum dezentral, bei schönem Wetter auf dem Hof, wiederholt und die videografische Dokumentation allen zugänglich gezeigt. Die Freiheitsposten bzw. -ständer werden eingeholt und zeugen von der INTERNATIONAL BEFREITEN ZONE. Die Kunst ist der Kampf!
Ein Projekt von Jörg Schindler.
Innenstadt Potsdams
vormittags
Studentisches Kulturzentrum
Theatersaal
18.30 Uhr | Eintritt frei
Im Sinne des festival contre le racisme wird die Literaturbühne ’90 diverse Texte gegen Rassismus und Gewalt vortragen, unter anderem von Kafka, Brecht und Döblin. Der Titel der Veranstaltung trägt den traurig-schönen Namen „Die Ermordung der Butterblume“. Die Literaturbühne ’90 ist ein gestisches Lesetheater, das seit 1990 literarische Texte vorstellt. Die Gruppe von Studierenden setzt auf Sprech- und Spieleffekte, die sie aus den Texten gewinnt und partiell musikalisch unterstützt.
Der Liedermacher Jörg Zinke wird den Abend musikalisch mit Gitarre, Klavier und Gesang abrunden. Für den 27jährigen ist Musik Konversation und nicht Präsentation.
Studentisches Kulturzentrum
Theatersaal
20.00 Uhr | Eintritt frei
Freitag, 29.06.2007
Der Historiker Dr. Harry Waibel behandelt am heutigen Abend den Verlauf und die Ursachen von Neo-Faschismus, Rassismus und Antisemitismus in der DDR. Außerdem wird er die Zusammenhänge zwischen dem Neo-Faschismus in Ost- und Westdeutschland ansprechen. Der Focus seiner Analysen ist auf die Konsequenzen ausgerichtet, die sich aus den ermittelten historischen Fakten ergeben. Ein wichtiger Teil davon ist die kritische Reflexion der Konsequenzen dieses erneuten Scheiterns der anti-faschistischen Bemühungen in der DDR und im großen Deutschland seit 1990. Der Dozent beschäftigte sich im Rahmen seiner Promotion zu oben genanntem Thema am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin. Dabei stand ihm Quellenmaterial aus dem Jugendarchiv, dem ehemaligen Archiv der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und aus dem ehemaligen Zentralen Parteiarchiv der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zur Verfügung.
Universität Potsdam
Campus Neues Palais | Haus 8 | Raum 0.58
19.00 Uhr | Eintritt frei
Samstag, 30.06.2007
In diesem Sommer stehen die sechs Live-Bands „44 Leningrad“, „Ruffians“, „Potstock“, „Kiloherz“, „Innocent Civilians“ und „Alev“ in den Startlöchern, um den Abschluss des „festival contre le racisme“ zu begehen. Dieser findet in Form des Hochschulsommerfestes von 16 bis 24 Uhr am Neuen Palais statt. Zwischen den einzelnen Musikgruppen ist ein bunt durcheinander gewürfeltes Kulturprogramm geplant. Neben Caveman (Du sammeln, ich jagen!), Feuerspucken, Trommelkonzert, Salsa-Choreographie, Capoeira, dem Kabarett Obelisk, Taekwondo und Showtanz werden die Gäste an zahlreichen Ständen unterschiedlichster Initiativen entlang schlendern können und sich den Gaumen an Köstlichkeiten erfreuen.
Das Sommerfest wird vom Studentenwerk Potsdam, der FHP und der Universität Potsdam finanziert.
Universität Potsdam
Campus Neues Palais
16.00 Uhr | Eintritt frei
Nil StudentInnenkeller
Campus Neues Palais | Haus 11
24.00 Uhr | Eintritt frei
Das komplette Programm des diesjährigen festivals in Bielefeld findet Ihr auf der Homepage des AStA der Uni Bielefeld.
Auch in diesem Jahr nimmt der AStA der Universität zu Köln am festival contre le racisme teil.
Das detaillierte Programm findet Ihr unter: www.asta.uni-koeln.de/index.php/aktionen/festival-contre-le-racisme
Im Jahr 2007 feiert die Europäische Union das „Europäische Jahr der Chancengleichheit“. Bereits im ersten Satz zur Begründung dieses Jahres heißt es „Ganz zu Recht ist die Europäische Union (EU) stolz auf ihre Antidiskriminierungsgesetzgebung, die zu den umfassendsten der Welt gehört.“ Gesetze allein genügen nicht, um Diskriminierung entgegenzuwirken. Die Europäische Union hat dies nun auch verstanden – dennoch klaffen Anspruch und Wirklichkeit im „Europäischen Jahr der Chancengleichheit“ enorm auseinander.
Das festival contre le racisme ist ein studentischer Beitrag gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung sowie ein Zeichen der Solidarität mit ausländischen Studierenden, welche an den Hochschulen stets die ersten Betroffenen von Diskriminierung sind. Zwar ist in der von 29 europäischen Staaten unterschriebenen Bologna-Erklärung aus dem Jahre 1999 die Förderung der Mobilität von Studierenden eines der drei zentralen Ziele, dennoch scheitert dies hierzulande an der Realität.
Ausländische Studierende sehen sich allein, um ein Studium abseits von bequemen Programmen wie ERASMUS überhaupt beginnen zu können, einem schier unüberwindbaren bürokratischen Dschungel gegenüber. Dies alles sind künstliche Mobilitätshindernisse, die auch laut Europäischer Union abgebaut werden müssen, um einen Wissenstransfer zu gewährleisten.
Während Studierende, die aus EU-Staaten kommen, in jedem Land der Europäischen Union Semester belegen können, sieht dies für Studierende aus Staaten außerhalb der Union gänzlich anders aus: Selbst wenn sie ein Visum für die Schengen-Staaten ausgestellt bekommen, haben sie nicht die Berechtigung zu einem Studium im gesamten Schengen-Raum. Das ist in einem Wort ausgedrückt Diskriminierung.
Hier stehen angeblich – ähnlich wie im gesamten Bereich der Migration – „Sicherheitsbedenken“ entgegen. Das Totschlagargument gegen die Freiheit der/des Einzelnen ist die Sicherheit. Im Rahmen der Terrorismusabwehr waren sich deutsche Innenminister nicht zu schade Grundrechte mit Füßen zu treten. Erinnert sei an die nachträglich für grundgesetzwidrig erklärte Rasterfahndung oder die aktuelle Sicherheitsüberprüfung ausländischer Studierender: In einigen Bundesländern müssen sich Studierende aus islamischen Ländern bereits Monate vor dem Ablauf ihres Visums um eine Verlängerung bemühen – damit den Sicherheitsbehörden Zeit für eine gesonderte Überprüfung der Studierenden bleibt. Dies ist nichts anderes als ein Generalverdacht.
Soviel zum Visum. In der Regel bewirbt sich ein/e ausländische/r Studierende/r über den Verein uni assist e.V. an einer oder mehreren Hochschulen über ein kostenpflichtiges Bewerbungsverfahren. Mit dem uni-assist-Bewerbungsverfahren gibt es eine durchaus vorteilhafte zentrale Anlaufstelle für ausländische StudienbewerberInnen. Warum dieses Verfahren für die BewerberInnen kostenpflichtig, bleibt ein Rätsel. Schließlich ergeben sich für die uni-assist-Mitgliedshochschulen erhebliche Einsparungen in der Verwaltung. Ebenso rätselhaft ist die Erhöhung der Gebühren am Jahresbeginn um zehn Prozent mit der Begründung einer dreiprozentigen generellen Mehrwertsteuererhöhung. Auch diese Gebühren stellen eine Diskriminierung ausländischer StudierenbewerberInnen dar.
Weiterhin ist ein Sprachnachweis Pflicht. Anerkannt sind lediglich die so genannte DSH-Prüfung oder eine Prüfung durch das TestDaF-Institut. Solche Institutionen sind extrem unterschiedlich verteilt und beispielsweise auf dem afrikanischen Kontinent rar gesät. Diese Sprachtests sind lediglich eine ordnungspolitische Maßnahme. Das individuelle Problem der Sprachbarriere wird nicht durch eine allgemeine Prüfung gelöst, sondern sollte jeder bzw. jedem selbst überlassen sein. Wenn jemand ernsthaft im Ausland studieren möchte dann wird die- oder derjenige sich freiwillig um entsprechende Sprachkenntnisse bemühen. Die festgelegte DSH- oder TestDaF-Prüfung ist im Übrigen kostenpflichtig – unabhängig vom eigentlichen Spracherwerb – und somit ein weiteres künstliches Mobilitätshindernis.
Selbstverständlich prüfen deutsche Behörden auch die Hochschulzugangsberechtigung (HZB) von ausländischen StudienbewerberInnen gründlich. Schließlich sollen im Ausland erworbene HZBen vergleichbar mit denen sein, die in Deutschland erworben werden können – damit ja kein/e Deutsche/r benachteiligt wird. Hierzu gibt es diverse Listen, etwa die Äquivalenzliste der Kultusministerkonferenz oder eine interne Bewertung beim uni assist e.V. – letztendlich ist die Bewertung relativ willkürlich, da beispielsweise die Äquivalenzliste nur eine Richtlinie für die einzelnen Hochschulen darstellt. Für chinesische Studierende, die ihre HZB angeblich überdurchschnittlich oft fälschen, hat man in Peking eigens in der Deutschen Botschaft die Akademische Prüfstelle (APS) geschaffen, welche die HZB prüft. Diese Prüfung ist für StudienbewerberInnen aus China Pflicht und kostet rund 250 Euro.
Sollte festgestellt werden, dass ein Abschluss aus dem Heimatland nicht dem deutschen Bildungsniveau äquivalent ist, gibt es die eigentümliche Konstruktion der Studienkollegs. In dieser Institution können ausländische StudienbewerberInnen eine auf bestimmte Fächer eingegrenzte Studienberechtigung erlangen. Das Studienkolleg stuft die StudienbewerberInnen auf eine Art „SchülerInnenstatus“ zurück und sorgt oft für eine unnötige Verlängerung der Studiendauer.
Generell werden in Deutschland sämtliche MigrantInnen als „Gäste“ betrachtet. Das heißt, dass sie in naher Zukunft wieder „nach Hause“ gehen sollen und dem „Gutdünken“ des Gastgebers ausgesetzt sind. Einerseits ist laut einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ist jede/r fünfte Deutsche ausgewiesene/r Fremdenfeind/in. [1] Die Zahl der rechtsextremen Straf- und Gewalttaten befand sich im Jahr 2006 auf dem höchsten Stand seit Jahren. Hier sind MigrantInnen immer die ersten, die potenzielle Opfer darstellen. Anderseits werden bestehende gesetzliche Regelungen seitens von staatlichen Behörden nicht selten willkürlich ausgelegt. Gegen diese Tendenzen ist ein nachhaltiges gesellschaftliches Engagement gefordert.
Sicher ist dies nicht ohne einen weit reichenden Mentalitätswandel möglich. Noch immer müssen ausländische Studierende behördlich-offiziell dem Vorurteil, dass „AusländerInnen uns nur auf der Tasche liegen“ würden, entgegentreten. 585 Euro pro Monat sind nachzuweisen oder gleich auf ein Sperrkonto zu überweisen. So wird ausgeschlossen, dass Studierende aus dem Ausland „auf Kosten des Staates“ hier studieren. Von Sozialleistungen, wie dem BAföG, sind ohnehin nahezu alle ausländischen Studierenden ausgeschlossen.
Auch das zur Selbstverständlichkeit geronnene Arbeiten neben dem Studium ist für ausländische Studierende nicht ohne Einschränkungen möglich. Ausländische Studierende aus Nicht-EU-Ländern dürfen maximal 90 volle Tage im Jahr arbeiten, müssen eine Genehmigung beantragen und dürfen keine/n geeignete/n Bewerber/in aus der EU verdrängen. Dies wird von Amts wegen überprüft. An diesem Beispiel zeigt sich, wie die NPD-Forderung „Arbeitsplätze zuerst für Deutsche“ im europäischen Rahmen „gelöst“ wird.
In der Politik wurden und werden noch andere Hürden diskutiert: So zum Beispiel wollte das Land Hessen bei der Einführung der ohnehin abzulehnenden allgemeinen Studiengebühren, ausländische Studierende gleich dreimal so hoch belasten, wie ihre deutschen KommilitonInnen. Hinzu kommen die ohnehin bestehenden Einschränkungen des „Gastrechtes“: Schon bei geringen „Verfehlungen“ kann die/der Studierende des Landes verwiesen werden. So wird auch die politische Betätigung von ausländischen Studierenden gehemmt.
Die Mobilität von Studierenden hat natürlich auch eine andere Seite: Viele einheimische Studierende studieren im Ausland. Vorwiegendes Ziel sind Länder der westlichen Hemisphäre. Vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst werden vor allem über das EU-Programm ERASMUS Studierende innerhalb Europas untergebracht. Auch hier gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf bei der Vorbereitung der Studierenden auf ihr Studium im Ausland. Des Weiteren ist der Blick oftmals leider auf die EU beschränkt, die ERASMUS-Plätze nach Osteuropa sind nicht ausgeschöpft.
Ebenso erheblich sind die Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Studienleistungen, die im Ausland erbracht wurden. Trotz Bologna-Prozess und Internationalisierung stoßen Studierende auf oft willkürliche Entscheidungen von Prüfungsämtern und Dozierenden.
Ein weiteres Problem stellt der Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen vom Studium dar: Gemeint sind hier anerkannte Flüchtlinge, AsylbewerberInnen und Menschen mit einem anderen „unsicheren“ Aufenthaltsstaus. In der Regel sind diese Menschen von der Hochschulbildung ausgeschlossen. Hier beginnen die Missstände allerdings bereits im allgemeinen Bildungsbereich oder im Zusammenhang mit administrativer Diskriminierung – beispielsweise durch die so genannte Residenzpflicht, wonach AsylbewerberInnen einen zugewiesenen Landkreis nicht verlassen dürfen, oder die Zwangsversorgung von Flüchtlingen mit Lebensmittelpaketen statt Geldleistungen. Wer hier lebt, der soll sich auch bilden, bewegen und nach indivduellem Geschmack leben können!
Stefan Zweig, ein jüdischer Autor, schrieb 1942 in seiner Autobiografie:
| „Vor 1914 hatte die Erde allen Menschen gehört. Jeder ging und blieb, solange er wollte. Es gab keine Erlaubnisse, keine Verstattungen, und ich ergötze mich immer wieder neu an dem Staunen junger Menschen, sobald ich ihnen erzähle, daß ich vor 1914 nach Indien und Amerika reiste, ohne einen Paß zu besitzen oder überhaupt je gesehen zu haben. Man stieg ein und aus, ohne zu fragen und gefragt zu werden, man hatte nicht ein einziges von den hundert Papieren auszufüllen, die heute abgefordert werden. Es gab keine Permits, keine Visen, keine Belästigungen; dieselben Grenzen, die heute von Zollbeamten, Polizei, Gendarmerieposten dank des pathologischen Mißtrauens aller gegen alle in einen Drahtverhau verwandelt sind, bedeuteten nichts als symbolische Linien, die man ebenso sorglos überschritt wie den Meridian in Greenwich. Erst nach dem Krieg begann die Weltverstörung durch den Nationalsozialismus, und als erstes sichtbares Phänomen zeitigte diese geistige Epidemie unseres Jahrhunderts die Xenophobie: den Fremdenhaß oder zumindest die Fremdenangst.“ [2] |
Das, was Zweig in diesem Abschnitt als „Drahtverhau“ anprangert, ist nichts anderes als der bürgerliche Nationalstaat. Genau diese auf Exklusion basierenden Gebilde und ihre supranationalen Zusammenschlüsse – wie zum Beispiel die Europäische Union – zementieren nicht nur Ungleichheiten sondern eben auch simple Mobilitätshindernisse. Solange das Modell der Nationalstaaten nicht in Frage steht, müssen diese Hindernisse abgebaut werden!
Nicht zuletzt aus Solidarität mit unseren ausländischen KommilitonInnen wollen wir auf die prekäre Situation aufmerksam machen. Und das soll sich natürlich nicht nur auf Studierende beschränken. Alle erdenklich möglichen Themen aus den Bereichen Rassismus, Xenophobie, Antisemitismus, Flucht, Migration und Integration können Teil eines der lokalen festivals sein.
Hier sollen möglichst viele Studierende auf Um- und Missstände aus den genannten Bereichen aufmerksam gemacht werden. Es bietet weiterhin die Gelegenheit Bündnisse mit antirassistischen Initiativen zu schließen und ausländische Studierende auch in diesen Prozess zu integrieren. Mobilität soll eine zweiseitige Medaille sein. Hindernisse abzubauen, Barrieren auch im Kopf zu beseitigen und so zu einem Stück mehr Chancengleichheit zu gelangen, ist die Aufgabe von uns allen.
Fußnoten
[1] O. Decker, E. Brähler, N. Geißler: Vom Rand zur Mitte. Berlin, 2006. Einsehbar unter fes.de
[2] zit. nach K. Schlögel: Die Mitte liegt ostwärts. Bonn, 2002. Zu beziehen über bpb.de
02.11.2006: Sich gegen Rechtsextremismus zu engangieren ist auch an der Hochschule bitter nötig. Wie dieses Problem anpacken? Antworten vom Arbeitskreis Antifaschismus des fzs
Das folgende Thesenpapier soll keinerlei Handlungsanleitung für eine antifaschistische Betätigung an Hochschulen darstellen. Der fzs als Dachverband will Euch lediglich Vorschläge und nützliche Tipps für ein solches Engagement geben. Dieses Thesenpapier basiert dabei auf Erfahrungen verschiedener Gruppen, die sich auf dem Feld des Antifaschismus engagieren.
Für die Antifa-Arbeit an der Hochschule bieten sich unter Anderem folgende Formen an:
Für eine kontinuierliche Arbeit ist es unerlässlich auf eine feste Struktur zurückgreifen zu können, so dass eine der ersten vier Formen zu favorisieren ist – je nach dem, was sich konkret an Eurer Hochschule vor Ort realisieren lässt.
Folgende Themenfelder sollte eine antifaschistische Arbeit an der Hochschule abdecken:
Zu beobachten ist, dass Neonazis als Studierende an so gut wie jeder Hochschule zu finden sind. Weiterhin ist zu bemerken, dass es innerhalb der rechtsextremen Szene eine zunehmende „Intellektualisierung“ stattfindet – das Klischee des Bomberjacken-tragenden, dumpfen Nazischlägers taugt allenfalls zur Verharmlosung realer Verhältnisse.
Die erste Fragestellung, die allein durch mühsame Recherche (ggf. in Rückkopplung mit Antifa-Gruppen im Ort) beantwortet werden kann, ist demnach: „Sind einschlägig bekannte Neonazis an meiner Hochschule eingeschrieben?“
Wenn dies der Fall ist und diese Personen dann auch noch politische Aktivitäten
ist ein Eingriff von antifaschistischer Seite aus notwendig, um Neonazis an der Hochschule handlungsunfähig zu machen und ihre potentiellen Opfer präventiv zu schützen.
Für politische Aussagen innerhalb von Lehrveranstaltungen ist die Dozentin bzw. der Dozent verantwortlich und demnach die erste Ansprechpartnerin bzw. der erste Ansprechpartner. Natürlich ist hier der Weg zur jeweiligen Fachschaft auch nicht der schlechteste… Politische Aktivitäten an der Hochschule sind zu unterbinden – mit den Konzepten des Antifaschismus, die auch außerhalb der Hochschule angewandt werden. Hier heißt es immer: Ask your local Antifa!
In diesem Arbeitsfeld ist es eine Notwendigkeit die gängige allgemeine Verbindungskritik, die z.B. vom Arbeitskreis Antifaschismus formuliert wird, auf die konkreten Verbindungen vor Ort herunterzubrechen und zu konkretisieren. Jede direkte Konfrontation mit Verbindern zeigt schnell, dass sie argumentativ gegen die Standard-Thesen der Verbindungskritik gewappnet sind. Deshalb gilt es, möglichst genau zu recherchieren und exakt zu argumentieren.
Ziel einer Anti-Korporierten-Arbeit vor Ort muss sein, studentische Verbindungen aus der Hochschule herauszudrängen. Verbinder sind kein selbstverständliches Erscheinungsbild an einer Hochschule sondern generell abzulehnen – dies gilt es, allen Beteiligten klarzumachen.
Aktivitäten und Veranstaltungen von Verbindungen können mit den klassischen Aktionsformen des Antifaschismus „kritisch begleitet“ bzw. verhindert werden. Politisch-inhaltlich empfiehlt es sich in der ErstsemestlerInnen-Arbeit anzusetzen, um neue Studierende im Vornherein aufzuklären. Ebenso zu empfehlen ist die Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten.
Mögliche Handlungsoptionen auf Hochschulebene sind zum Beispiel Verbinder-Seiten auf dem Server der Hochschule zu kündigen, Weblinks zu Verbindern auf der Homepage der Hochschule zu entfernen usw.
Interessant sind natürlich Schnittstellen zur lokalen Neonazi-Szene… Bei extrem rechten Verbindungen sind diese nicht selten und für eine konkrete Verbindungskritik äußerst wichtig.
Unter politisch rechtslastigen Hochschulgruppen sind hierbei zahlreiche Listen von Studentenverbindungen und Listen mit Verbinderbeteiligung zu fassen. Natürlich ist bei Verbinderbeteiligung allgemeine und konkrete Verbindungskritik gefragt und diese auf die entsprechende Hochschulgruppe umzumünzen.
Sollte es beispielsweise zu eindeutigen politischen Anträgen von rechtslastigen HoPo-Aktiven kommen, sollten diese (hochschul-) öffentlich skandalisiert werden, um die Studierenden und die Hochschulleitung von solchen Umtrieben in Kenntnis zu setzen.
In Wahlkämpfen gilt es „rechte“ Listen argumentativ zu bekämpfen, was wieder eine gründliche Recherche und exakte Argumentation zu Grunde legt. In einer eventuellen Opposition zu einer rechten Koalition in Studierendenparlamenten und ASten muss eine antifaschistische Kritik an der Arbeit von regierenden rechten Hochschulgruppen und einzelnen Aktiven kontinuierlich stattfinden. Es gilt hierbei keine doppelten Standards anzuwenden, so z.B. ist dringend davon abzuraten, einen rechtslastigen AStA wegen allgemeinpolitischer Betätigung zu verklagen – das geht nur nach hinten los!
Falls solche Leute aufgedeckt werden, sollte das Ziel eindeutig sein: Die Entlassung aus dem Wissenschaftsbetrieb. In solchen Fällen ist es wichtiger denn je, juristisch haltbare Argumentationen aufzustellen – schließlich entzieht man den Betreffenden in der Regel ihre materielle Existenzgrundlage, so dass diese im Falle des Falles gegen unhaltbare Vorwürfe juristische vorgehen würden.
Der erste Schritt ist hier auch eine grundlegende Recherche zur Person, die Vorwürfe müssen stichhaltig untermauert werden – am Besten mit ZeugInnen und Dokumenten. Der nächste Schritt ist dann der Gang zur Hochschulleitung, respektive die In-Kenntnis-Setzung der Präsidentin bzw. des Präsidenten.
Sollte dies nicht den gewünschten Effekt erzielen, sollte der Vorgang veröffentlicht werden. Hierzu sind Kampagnen in der Presse und der Studierendenschaft unerlässlich.
In jedem Falle empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes, um juristische Folgen abzuwenden.
Dieses Arbeitsfeld meint in erster Linie die Kritik an rassistischen, antisemitischen, völkisch-nationalen usw. Lehrinhalten. Mehr kann und soll eine antifaschistische Kritik in erster Linie nicht leisten. Im Kontext der Historisierung des Nationalsozialismus treten vermehrt Holocaustrelativierungen auf, im Kontext des Nahost-Konfliktes trifft man nicht selten auf antisemitische Ideologeme.
Wenn solche und andere politisch untragbaren Inhalte in Lehrveranstaltungen geäußert werden und eine Intervention innerhalb der Lehrveranstaltung fehlschlägt, gilt es sich zunächst mit der Fachschaft und der Studierendenvertretung zu beraten. Dann folgt erst der Gang zur Dekanin bzw. zum Dekan und zur Hochschulleitung, um sich dort Gehör zu verschaffen.
Meist wird man zu einem wissenschaftlichen Duell aufgefordert, eine Hochschule ohne Denkverbote und die Meinungsfreiheit angeführt. Zu den letzten beiden Punkten bleibt zu sagen, dass rassistische und antisemitische Vorstellungen in den Lehrinhalten einer Hochschule nichts zu suchen haben – also kein kritischer Dialog, sondern Ende der Veranstaltung!
Trotzdem ist eine Gegenargumentation wissenschaftlich zu führen und die inhaltliche Auseinandersetzung nicht zu scheuen. Gerade dies sollte hier die Aufgabe aufklärender Arbeit sein.
Eine antifaschistische Arbeit innerhalb dieses Themenfeldes sollte zunächst mögliche Problemfelder von ausländischen Studierenden eruieren. Hierfür sind Kontakte zu den Betreffenden selbst als auch zu DAAD, Akademischem Auslandsamt etc. unerlässlich. Der Grundsatz ist hier immer die Förderung einer eigenständigen Vertretung ausländischer Studierender beispielsweise in einem autonomen AStA-Referat. Es sieht einfach dumm aus, wenn weiße Deutsche Vertretungsaufgaben übernehmen…
Auf dem Plan sollten trotzdem zwei Schwerpunkte stehen: Zum einen ist dies der behördliche, staatlich organisierte Rassismus, zum anderen rassistische Gewalt auf der Straße. Diese Phänomene müssen einer antifaschistischen Kritik unterzogen werden. Hierzu gehört auch die Stigmatisierung von muslimischen Studierenden, die nicht erst seit neuestem unter kollektivem Terrorverdacht stehen.
Bei rassistischen Übergriffen ist sensibel vorzugehen und fast jede politische Äußerung mit dem Opfer abzusprechen. Nichts passiert gegen Willen des Opfers – das ist hier der oberste Grundsatz. Zu empfehlen ist immer die Vermittlung an eine professionelle Opferberatungsstelle und eine Rechtsanwaltskanzlei. Geschultes Personal kann da erheblich mehr leisten als eine linke Gruppe.
Auf lokaler Ebene sind zwei Arten der Vernetzung besonders wichtig:
Auf kommunalpolitischer Ebene meint dies vor Allem die Zusammenarbeit zu rechtsextremen Aufmärschen. Hier empfiehlt es sich geradezu, dass Studierendenschaften zentrale Funktionen in zivilgesellschaftlichen Protesten übernehmen. Dies hat meist eine dauerhafte Einbindung in zivilgesellschaftliche Strukturen der Kommune zur Folge, auf denen ein intensiver Austausch von Informationen usw. stattfinden kann. Dies führt nebenbei zu einer Aufwertung der Studierendenschaft in den Kommunen.
Antifaschistische Gruppen, die es vor Ort gibt, sind im Themenbereich die kompetentesten AnsprechpartnerInnen. Hier gilt es ein Vertrauensverhältnis zu schaffen und einen regen beidseitigen Informationsaustausch zu betreiben. Bitte vergesst nicht, dass Studierendenschaften oftmals die einzige Geldquelle für solche Gruppen in der Region sind – nehmt die GeldgeberInnen-Funktion großzügig wahr!
Hier bietet sich der Arbeitskreis Antifaschismus im fzs und Eure Landesvertretung an. Wir als Arbeitskreis sind über Recherche-Ergebnisse und Mitteilungen aus den lokalen Zusammenhängen immer hoch erfreut. Die Treffen des Arbeitskreises dienen nicht zuletzt zum bundesweiten Informationsaustausch.
Besondere akute Ereignisse bedürfen oft der Hilfe von überregionalen Zusammenhängen. Diese liefert der Arbeitskreis sehr gern – eine schnelle Information ist hierzu allerdings dringend notwendig.
Der Arbeitskreis steht generell allen Antifa-Aktiven an den Hochschulen offen, nach einer fzs-Mitgliedschaft Eurer Hochschule wird Euch niemand fragen. Wir sind weder hierarchisch strukturiert, noch werden wir irgendwie gewählt…
Kontakt zum Arbeitskreis Antifaschismus des fzs erhaltet Ihr per eMail an den AK Antifa. So könnt Ihr Euch auch in die Mailingliste eintragen und über bundesweite Aktionen, Neuigkeiten aus den einzelnen Hochschulen und die Arbeit des fzs auf diesem Gebiet auf dem Laufenden bleiben.
Die Hochschule ist keine schöne Insel in einer schlechten Gesellschaft! Deshalb gilt es mit der „Außenwelt“ zu interagieren. Tragt Eure Themen aus der Hochschule und hochschulexterne Themen in die Studierendenschaft.
Studierende sind Akteure akademischer Kritik und leisten so einen gewissen Beitrag zu einem fortschrittlichen Denken – auch eine antifaschistische Kritik sollte wissenschaftlich fundiert begründet sein. Auf der anderen Seite sollten sich Studierende und studentische Antifa-Initiativen auch aus ihrem Umfeld herausbewegen – mobilisiert an Eurer Hochschule zu antifaschistischen Veranstaltungen!
13.08.2006: Die Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung ist mit der Mitwirkung in Organen und Gremien des fzs unvereinbar. Beschluss der 30. Mitgliederversammlung
Seit seinem Bestehen übt der fzs vehemente Kritik am studentischen Verbindungswesen. Neuere Entwicklungen innerhalb der Studierendenschaften führen vermehrt dazu, dass Verbindungsstudierende auch in die Vertretungsorgane der Verfassten Studierendenschaft gewählt werden.
Anlass zur Feststellung der Unvereinbarkeit ist die Reaktion der Verbindungslandschaft auf einen Beschluss der SPD, den äußersten rechten Rand aus der Partei auszuschließen.
Die Grundprinzipen von studentischen Verbindungen sind unvereinbar mit den Zielen des fzs. Der fzs tritt beispielsweise für Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit ein – beides Prinzipien, die von studentischen Verbindungen sowohl in Theorie als auch Praxis konterkariert werden. Ebenso werden übergreifend Rechtsextreme innerhalb der Verbindungslandschaft mindestens geduldet.
Dem Arbeitkreis Antifaschismus ist es hierbei wichtig, eine differenzierte Kritik zu üben. Die Unvereinbarkeit besteht ausschließlich gegenüber Vereinen, die folgenden Dachverbänden angehören:
Beschluss der 30. Mitgliederversammlung, Freiburg im August 2006.